
Horologia sinica
- Text: aus dem Shijing
- für Sopran und großes Orchester chinesischer Instrumente
Werkangaben
- Kompositionsjahr
- 2011
Ausgaben
Leihmaterial
- Artikelnummer
- eg1897LM
Leihweise
Beschreibung
Auftragskomposition für das 40. Hong Kong Arts Festival zur Feier des fünzigjährigen Bestehens der Hong Kong City Hall.
Uraufführung am 6. März 2012 in der Hong Kong City Hall Concert Hall
Andión Fernández, Sopran
Hong Kong Chinese Orchestra
u.L.v. Yan Huichang
"Hong Kong Chinese Orchestra, Hong Kong City Hall Concert Hall
Jeffrey Chings anspruchsvolles neues Werk, uraufgeführt in Hong Kong, verwendete klassische chinesische Elemente, aber mit Beigaben des amerikanischen 20. Jahrhunderts
Man kann mit Sicherheit sagen, dass von den fast 2100 Werken, die bislang vom Hong Kong Chinese Orchestra in Auftrag gegeben wurden, keines so anspruchsvoll ist wie Jeffrey Chings Horologia sinica. Der in Manila geborene, in Berlin ansässige Ching vermeidet die üblichen historischen oder literarischen Diskurse, stattdessen fand er Inspiration in einigen kulturellen Artefakten: einer alte Uhr (der Titel des Stücks ist lateinisch für "chinesische Uhren"), zwei Oden aus dem klassischen Buch der Lieder und in einer kaiserlichen Kalligraphie, die er streng in klangliche Strukturen übersetzt.
Bei der Premiere des Stückes am vergangenen Dienstag hielten fünf Schlagzeuger ein einziges rhythmisches Muster aufrecht, während moderne chinesische Saiteninstrumente (gezupft und gestrichen) gelegentlich mit traditionellen Blasinstrumenten kollidierten, deren Stimmung den Instrumenten der Song-Dynastie entsprach.
Sopran Andion Fernández (die Frau des Komponisten und häufige Interpretin) führte – zunächst im Hintergrund der Bühne – die Oden mit starkem dramatischen Effekt in alt-chinesischer Aussprache aus.
Abgesehen von den klassischen chinesischen Referenzen ist das Klangergebnis deutlich der amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts verpflichtet; der größte Teil der 20-minütigen Horologia sinica klingt wie eine Synthese aus den mikrotonalen, polyrhythmischen Experimenten Charles Ives mit den rituellen Collagen George Crumbs, als ob Ching diese beiden Komponisten angeworben hätte, zu helfen, seine archäologischen Funde zu rekonstruieren.
Dirigent Yan Huichang leitete das Stück mit effektivem Understatement, wobei er Chings verschiedenen Musiksprachen den nötigen Raum gab."
Ken Smith, The Financial Times, 8. März 2012
“Das einzige Stück im ersten Teil des Programms, das rund 20-minütige Horologia sinica, zeigte Kreativität auf höchstem Niveau und enthüllte den multi-kulturellen Hintergrund Jeffrey Chings [...] und insbesondere die geistigen Früchte seiner Forschungen in der chinesischen Geschichte.
[…] wie im Programmheft beschrieben, führte die Zeit von 3.57.30 bis 4.16.40 im Sonnen-Zyklus jingzhe des chinesischen Kalenders zur zwanzig-minütigen Dauer des Stücks; außerdem fällt jingzhe für gewöhnlich auf den 6. März des gregorianischen Kalenders (dieses Jahr allerdings einen Tag später), also auf den Tag des Konzerts, so dass offenbar das Datum, an dem das Auftragswerk uraufgeführt wurde, zu einer Quelle der Inspiration für das Stück wurde.
[…] Bei seiner ersten Komposition für ein großes Ensemble chinesischer Instrumente scheint Ching die Rolle des unbeteiligten Betrachters oder objektiven Geschichtsschreibers eingenommen zu haben.
Im ganzen Stück hört man nicht etwa eine große Palette der Emotionen; der durch einen gleichbleibenden rhythmischen Puls betonte Verlauf der Zeit verstärkt die historischen Konnotationen des Stückes.
Der im chinesischen Kalender für Sonne verwendete Begriff jingzhe ['Erwachen der Insekten'] bezeichnet die Zeit, in der das Leben der Erde nach einem harten Winter wiederhergestellt wird – die ruhenden Tiere und Insekten erwachen zu neuem Leben.
Mit dem Raub der astronomischen Uhr reiht sich Kaiser Song Huizong in die Liste der "törichten Herrscher" ein, die zwanzig Minuten des 'Erwachens der Insekten' werden zu einer vorübergehenden historischen Episode.
Schließlich verschwindet die Musik selbst in der Stille der Vergangenheit, als ob ein Gefühl der eigenen Hilflosigkeit und des Bedauerns des Komponisten gezeigt werden soll.”
Chow Fanfu, Xianggang Xinbao [Hong Kong Economic Journal], 25. April 2012